Definition
Das Risiko, dass eine Einheit ihre Zahlungs‑ oder Sicherheitenverpflichtungen zum Fälligkeitszeitpunkt nicht erfüllen kann, ohne unakzeptable Kosten zu verursachen, oder Positionen nicht zu marktüblichen Preisen veräußern oder absichern kann wegen fehlender Markttiefe oder temporärer Dislokationen.

Prinzip

Prinzip
Liquiditätsrisiko umfasst Funding‑Liquidität (Fähigkeit, Bargeld zu beschaffen oder Verbindlichkeiten zu refinanzieren) und Marktliquidität (Fähigkeit, ohne großen Preiseinfluss zu handeln); das ordnende Prinzip ist das Abstimmen von Laufzeiten, das Vorhalten von Puffern und Notfallplänen sowie die Messung von Markttiefe, Geld‑Brief‑Spannen und Finanzierungs‑Konzentration.

Demonstration

Demonstration
Eine Bank erlebt einen plötzlichen Ansturm auf Einlagen und kann kurzfristige Großhandelsfinanzierungen nur gegen deutlich höhere Zinsen verlängern; ein Fonds, der einen großen Block einer illiquiden Anleihe verkauft, bewirkt starke Preisrückgänge und realisiert erhebliche Verluste.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Zu glauben, ein statischer Kassenbestand reiche aus, ohne bedingte Calls, Marginanforderungen oder korrelierte Abflüsse zu modellieren; Markt‑ und Funding‑Liquidität ohne Stresstests als gleichzusetzen.

Konsequenz

Konsequenz
Angemessene Liquiditätssteuerung führt zu Liquiditätspuffern, diversifizierten Finanzierungsquellen, Haircuts und liquiditätsangepasster Bewertung, Notfallfinanzierungsplänen und Positionslimits, um erzwungene verlustbringende Verkäufe zu vermeiden.

Umkehrung

Umkehrung
Das Gegenteil ist ein Regime reichlicher Liquidität, in dem Assetverkäufe die Märkte nicht bewegen und Finanzierung zu stabilen Spreads stets verfügbar ist; dieses Umfeld als dauerhaft zu interpretieren, kann bei Verschärfung der Bedingungen zu Verwundbarkeit führen.

Abgrenzung

Abgrenzung
Umfasst sowohl Bilanz‑/Funding‑Liquidität als auch die Markt‑Handelbarkeit finanzieller Instrumente; schließt Solvenzrisiken aus, die durch langfristige Aktiv‑Passiv‑Divergenzen oder Kreditrisiken verursacht werden, wenn nicht Liquidität, sondern Zahlungsausfall der primäre Treiber ist, obwohl Wechselwirkungen bestehen.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Es besteht Spannung zwischen einer engen Definition von Liquidität als Marktmikrostruktur (Tiefe und Spreads) und einer weiten Definition als jegliche Unfähigkeit, Verpflichtungen zu erfüllen; eine weitere Spannung besteht zwischen statischer Messung (Puffer) und dynamischer Messung unter Run‑Bedingungen.

Synthese

Synthese
Liquiditätsrisiko ist die Möglichkeit, dass benötigte Mittel nicht ohne erhebliche Kosten verfügbar sind oder Positionen nicht zu vernünftigen Preisen gehandelt werden können; es wird gesteuert durch Laufzeitabstimmung, Puffer, Diversifikation der Finanzierung und Notfallplanung, geprüft in Stresstests.