Definition
Der Betrag an Sicherheiten oder Kapital, den ein Broker, eine Clearingstelle oder ein Aufseher von einem Marktteilnehmer verlangt, um potenzielle künftige Expositionen aus gehebelten Positionen, Derivaten oder geclearten Geschäften abzudecken; üblicherweise als Anfangsmarge und Erhaltungsmarge angegeben.

Prinzip

Prinzip
Begrenzung des Gegenparteiausfallrisikos und Sicherstellung der Leistungsfähigkeit durch Vorauslegung von Vermögenswerten in entsprechender Höhe, die wahrscheinliche kurzfristige Verluste nach festgelegten Risikomodellen und Haircuts abdecken.

Demonstration

Demonstration
Eine Terminbörse legt eine Anfangsmarge von 5 % des Kontraktvolumens und eine Erhaltungsmarge von 4 % fest. Fällt das Kontoguthaben eines Händlers unter die Erhaltungsmarge, löst die Börse einen Margin Call aus und verlangt die Auffüllung auf die Anfangsmarge innerhalb einer Frist.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Marginanforderung als Gewinnquelle behandeln (Sammeln von Sicherheiten statt exakter Risikokalibrierung) oder veraltete Volatilitätsannahmen verwenden, wodurch Marginsysteme Expositionen systematisch unterschätzen.

Konsequenz

Konsequenz
Richtig eingestellte Marginanforderungen verringern die Ausfallwahrscheinlichkeit, ermöglichen zentralisiertes Clearing von gehebelten Instrumenten und unterstützen geordnete Abwicklungen; sie binden jedoch Liquidität und verursachen Finanzierungskosten für Marktteilnehmer.

Umkehrung

Umkehrung
Null oder sehr niedrige Margen bedeuten ungesicherte Trades, bei denen Gegenparteien das volle Kreditrisiko tragen und das systemische Risiko steigt; sehr hohe Margen dagegen verbieten faktisch Hebelwirkung und verringern die Marktteilnahme.

Abgrenzung

Abgrenzung
Gilt für die Besicherung von marktbewerteten Expositionen und die anfängliche Abdeckung potenzieller künftiger Verluste; ausgenommen sind bankaufsichtsrechtliche Eigenkapitalanforderungen, die die langfristige Solvenz messen.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung zwischen Margin als kurzfristigem Schutzmechanismus und Kapital als langfristigem Solvenzpuffer; ebenso zwischen standardisierten Margin-Tabellen und modellbasierten, dynamischen Margen.

Synthese

Synthese
Die Marginanforderung ist eine kalibrierte Sicherheitenregel, die kurzfristige Verlustschätzungen in liquide hinterlegte Vermögenswerte übersetzt, sodass gehebelte oder derivatbasierte Positionen ohne ungedeckte Verluste abgewickelt werden können.