Definition
Ein rückblickender Maßstab für die Schwankungsintensität von Asset-Renditen, berechnet aus beobachteten Vergangenheitskursen, üblicherweise als annualisierte Standardabweichung der logarithmischen (oder arithmetischen) Renditen über ein gewähltes Stichprobenfenster.
Prinzip
Prinzip
Realisierte Volatilität wird aus historischen Renditeproben geschätzt; die Definition der Rendite, die Stichprobenfrequenz und die Fensterlänge bestimmen Verzerrung und Stichprobenfehler, und durch Annualisierung wird die Perioden-Standardabweichung auf einen gemeinsamen Zeithorizont gebracht.
Demonstration
Demonstration
Täglich logarithmische Renditen der letzten 20 Handelstage berechnen, die Stichproben-Standardabweichung dieser Renditen bestimmen und mit der Quadratwurzel von 252 multiplizieren, um die auf ein Jahr annualisierte historische Volatilität der Aktie zu erhalten.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Die ungeänderte Verwendung der historischen Volatilität als Prognose für künftige Volatilität ohne Berücksichtigung struktureller Brüche, Regimewechsel, Mean-Reversion oder unterschiedlicher Abtastfrequenzen; oder die Verwendung arithmetischer Renditen, wo logarithmische Renditen erforderlich sind.
Konsequenz
Konsequenz
Dient als empirische Eingabe für Risikokennzahlen (VaR, Stresstests), als Basiseingabe für Optionsbewertung und Volatilitätsprognosen; beeinflusst Positionsgrößen und Hedging-Kalibrierung, wenn korrekt interpretiert.
Umkehrung
Umkehrung
Eine zukunftsorientierte, marktimpliedte Messgröße wie die aus Optionspreisen abgeleitete implizite Volatilität steht im konzeptuellen Gegensatz: Sie spiegelt Erwartungen und Risikoprämien wider statt vergangene Realisationen.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für beobachtete Kursreihen und Renditeproben handelbarer Assets; sie berücksichtigt nicht automatisch Sprünge, Mikrostrukturrauschen bei hoher Frequenz und ist ohne ergänzende Prognosemethode keine Modell-Prognose.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Es besteht eine Spannung zwischen der historischen Stichprobenstatistik und der erwarteten Volatilität für Risikomanagementzwecke; historische Volatilität beschreibt genau vergangene Streuung, steht aber oft im Widerspruch zu marktimpliziten Messgrößen.
Synthese
Synthese
Historische Volatilität ist die stichprobenbasierte, annualisierte Messgröße der vergangenen Renditevolatilität für ein gegebenes Fenster und Messschema; sie dient als empirische Referenz für Risiko- und Modellierungsaufgaben, bedarf jedoch vorsichtiger Anwendung bei Prognosen.