Definition
Die von Eigenkapitalinvestoren erwartete Rendite, die zur Entschädigung für das Halten gewöhnlicher Aktien eines Unternehmens verlangt wird; sie stellt die Opportunitätskosten der Investition in das Eigenkapital des Unternehmens dar gegenüber alternativen Anlagen mit vergleichbarem Risiko.
Prinzip
Prinzip
Eigenkapitalgeber verlangen eine Vergütung für das Tragen systematischer (Markt‑)Risiken und unternehmensspezifischer Unsicherheit; Modelle wie das CAPM setzen diese geforderte Rendite in Beziehung zu einem risikofreien Satz plus einer risikobezogenen Prämie proportional zum Beta, während Dividenden‑ oder Cashflow‑Modelle sie aus erwarteten Zahlungen ableiten.
Demonstration
Demonstration
CAPM‑Beispiel: Risikofreier Satz Rf = 2 %, Marktrisikoprämie = 5 %, Beta = 1,2 → Eigenkapitalkosten Re = Rf + Beta*(Marktprämie) = 2 % + 1,2*5 % = 8 %.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Ersetzung durch buchhalterische Kennzahlen (z. B. historischer ROE), Verwendung historischer Aktienrenditen aus kleinen Stichproben ohne Anpassung, Anwendung des CAPM ohne Rechtfertigung von Beta oder Marktproxy; alleinige Verwendung der Dividendenrendite, wenn Wachstum oder Rückkäufe relevant sind.
Konsequenz
Konsequenz
Ein genauer Eigenkapitalkostensatz legt die erforderliche Rendite für Eigenkapital‑Cashflows fest, beeinflusst den WACC und steuert Investitionsentscheidungen, Bewertung und Performance‑Messung für eigenkapitalfinanzierte Projekte.
Umkehrung
Umkehrung
Eigenkapital als kostenfrei (Nullkosten) zu behandeln oder buchhalterische Rentabilität mit der von Investoren geforderten Rendite gleichzusetzen, kehrt die wirtschaftliche Bedeutung um und unterschätzt die von Investoren geforderte Risikoentschädigung.
Abgrenzung
Abgrenzung
Gilt für Residualansprüche in Form von Stammaktien und für Märkte, in denen Investoren einen marktbasierten geforderten Ertrag bilden können; schließt Vorzugsaktien (vertragliche Merkmale), Fremdkapital und Märkte mit nicht aussagekräftigen Preisen (illiquide oder manipulierte Märkte) aus.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen Modellen (CAPM versus multifaktorielle Modelle versus Dividenden‑Diskontierung), Schätzmethoden (historisch versus vorausschauend) und der Frage, ob Betas oder Fundamentaldaten das Risiko für nicht börsennotierte bzw. kleine Unternehmen besser erfassen.
Synthese
Synthese
Eigenkapitalkosten sind die vom Investor geforderte Rendite für Stammaktien, geschätzt aus Marktrisiken oder erwarteten Cashflows, und bilden die Eigenkapitalkomponente in Kapitalkosten‑ und Bewertungsberechnungen.